Wie man Burg- und Schlossfee wird

Es war an einem Montag im Winter letzten Jahres. Wahrscheinlich war es gar kein Montag, aber ich finde, schon allein Montag hört sich dramatisch genug an. Winter war es aber tatsächlich. Also sagen wir, es war an irgendeinem Tag im Winter. Es war November oder Dezember und wahrscheinlich war es ziemlich kalt und düster. Wahrscheinlich pfiff der Wind durch die kahlen Äste – und auf dem Boden war wahrscheinlich der typisch angegraute Schneematsch, den man eigentlich noch gar nicht Schnee nennen kann, zu finden. Vielleicht war es auch ganz anders, aber die Beschreibung passt doch schon ganz gut zu alten Mauern, Rittern und Verliesen – hab‘ ich Recht?

Weniger spektakulär kam ich zu „meiner“ ersten eigenen Sendereihe. Naja, jedenfalls raunte mir der Chef im Vorbeigehen nur „Ich glaub‘, ich hab da was für Sie“ zu – und dann war ich eigentlich schon mittendrin. Ein paar Tage später wurden die Formalitäten besprochen, wie zum Beispiel die Anzahl der Folgen oder auch die Länge der einzelnen Episoden. Und dann konnte es eigentlich losgehen. Ich schreibe bewusst ‚eigentlich‘. Denn wie beginnt man mit einem solchen Projekt? Ich hatte, ehrlich gesagt, keine Ahnung. Und ich bin überzeugt davon – auch jetzt, nachdem wir bereits auf 4 Burgen gedreht haben – es gibt kein richtig oder falsch. Jeder geht Projekte auf seine eigene Art und Weise an. Auch ich. Also saß ich an meinem Schreibtisch im Großraumbüro der Redaktion, um mich herum das alltägliche hektische Gewusel. Mein Gemütszustand konnte sich nicht entscheiden zwischen „Wow, wie cool, ich hab‘ jetzt schon ’ne eigene Sendereihe!“ und „Wow, verdammt, warum hab‘ ich jetzt schon ’ne eigene Sendereihe?“. Nicht falsch verstehen, ich freute mich, aber hatte eben gleichzeitig auch meine Zweifel, ob ich dem Ganzen überhaupt schon gewachsen bin. Und dann legte ich tatsächlich los. Und es war ein Berg voll Arbeit. Beziehungsweise ist es jetzt, ein halbes Jahr später, immer noch ein Berg voll Arbeit.

Karte
Quelle: http://www.rhein-neckar-upgrade.de/maps/museen-und-Schloesser/

Mehr als 150 (EINHUNDERTFÜNFZIG) Burgen, Schlösser und sogenannte Sakralbauten darf die Metropolregion Rhein-Neckar ihr Eigen nennen. Dass es viele solcher Gebäude gibt, vor allem Burgen oder das, was von ihnen nach Jahrhunderten übrig geblieben ist, war mir schon klar – schließlich kann man kaum seinen Blick schweifen lassen, ohne auf Mauerreste und Türme auf Hügeln oder in Wäldern zu stoßen. Aber 150? Für uns war von Anfang an klar, „die großen Vier“, also die Schlösser in Mannheim, Heidelberg, Schwetzingen und auch das Hambacher Schloss bleiben außen vor. Ja, die sind schön. Ja, die sind auch noch gut (oder wieder gut) erhalten und ja, die sind auch touristisch gesehen richtige Renner. Aber gerade deswegen sollen bei uns andere Burgen und Schlösser im Mittelpunkt stehen. Denn gerade Euch, den Bewohnern der Region, werde ich die weit über alle möglichen Grenzen hinaus bekannten Touristenmagnete nicht näherbringen müssen – weder aktuelle Aktivitäten noch was die Kurfürsten und Ritter vor ein paar hundert Jahren an diesen Orten getrieben haben. Ich will entlegene Burgen, verwunschene Schlösser, versteckte Anwesen in dunklen Wäldern! Naja, aber mal ehrlich: Wir möchten den Menschen zeigen, was unsere tolle Region noch zu bieten hat. Wo hausten die Adligen, Kaiser und Könige? Wo wird heute das dunkle Zeitalter wieder zur Realität? Oder welche Schlösser sind heute im Privatbesitz – fernab der Öffentlichkeit. Welche Geschichten haben die Burgen und Schlösser damals erlebt – und was können wir heute dort erleben? All das (und noch viel mehr) will ich für Euch herausfinden.

Zurück zur Recherche: Relativ schnell stellte sich dann auch heraus, dass doch viele dieser 150 (oder nach meiner Rechnung 146) Burgen und Schlösser nur noch aus Einzelteilen und verfallenen Überbleibsel längst vergangener Tage bestehen. Und die haben auch bestimmt alle ihren Reiz und Charme. Aber sie sind eben auch jene, die nur noch aus einzelnen verfallenen Steinen bestehen, die nur erahnen lassen, wo eventuell mal eine Mauer stand – sprich Stellen, an denen heute „nix mehr geht“. Und „nix mehr“ ist in unserem Fall einfach zu wenig. Denn so ein bisschen was erleben, soll der Besucher während seiner Burgbesichtigung ja schon.

Sind wir ehrlich: Ohne Internet – no way. Hier handelt es sich definitiv um die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Burgen (und Burgruinen) und Schlösser quasi an jeder Ecke und so weit das Auge reicht. Dennoch: Ich arbeite nicht nur mit dem Internet. Die klassische Faltkarte, in der klassischerweise auch noch Sehenswürdigkeiten – sprich Burgen und Schlösser – gekennzeichnet sind, durfte nicht fehlen. Und weicht mir auch jetzt nicht von der Seite. Ohne meine Faltkarte wäre ich verzweifelt – oder kennt ihr die entlegensten Winkel, die genauen Grenzen der sogenannten Metropolregion? Gar nicht so einfach – man kennt sich zwar aus in der Region und man kommt viel herum, aber in manchen Gegenden erreicht man dann doch auch seine eigenen, persönlichen (Wissens-)Grenzen. Jedenfalls habe ich es irgendwie geschafft, den Kreis der Burgen und Schlösser von Mal zu Mal immer kleiner werden zu lassen. Und trotzdem entdeckt man hier und da wieder etwas neues.

IMG_3144
Und jetzt bin ich mittendrin. Vor drei Wochen, am 21. Juni ging’s dann auch endlich „richtig“ los. Zusammen mit Kamermann Frank und Praktikantin Miri starteten wir früh morgens mit unserer ersten Erkundungstour. Unser Ziel: Der Trifels in Annweiler. Bereits eine Woche später, am 27. Juni, war die nächste Burg an der Reihe. Am 4. und 10. Juli folgten weitere „Perlen“.

Vorgestern startete nun endgültig die heiße Phase: Unser Haus-und-Hof-Visualist rief die Burgen & Schlösser-Seite ins Leben (er zaubert übrigens auch alle Grafiken, Intros, Outros und Karten, die auf der Seite oder in den Folgen zu sehen sind) und die erste Folge „Burgen & Schlösser der Region: Der Trifels“ ging online. Am Mittwochabend erlebte ich dann auch schon vor der gestrigen Erstausstrahlung mein kleines persönliches Highlight: Ich durfte in unserer Live-Sendung mit Moderator Kim über unsere neue Sendereihe talken. Ein bisschen aufgeregt war ich natürlich schon, es hat aber auch unheimlich Spaß gemacht. Schulterklopfer und Lob gab’s hinterher auch für die Schlösser-und-Burgen-Tante 😉

Bis bald!

Eure Sarah

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s